Donnerstag, 09. September 2010 07:29

«Putzmittel», Lärm und treue Fans

Mittwoch, 28. Juli 2010
Neil Werndli

Die regionale Rockszene erlangt immer mehr Kultstatus. (Foto: pd.)

Region. – Kaum denkbar, aber auch im Rheintal schlummert das eine oder andere musikalische Talent. In kleinen Lokalen und Jugendtreffs wie dem «Stoffel» in Widnau wird regelmässig gerockt und die Szene erfreut sich immer grösserer Beliebtheit.

Eine Art modernes «Kiss»
«Die Auftrittsmöglichkeiten sind leider sehr beschränkt», meint Alex «Äxl» Frei, Sänger der Band «BrefSunAjax». (Der Name leitet sich von den Putzmitteln Bref, Sun und Ajax ab.) «Einerseits liegt es an der Lautstärke. Kaum eine Band will noch vor 22 Uhr auf die Bühne und danach gilt Nachtruhe.» Deshalb weichen Bands in kleine Clubs im Industriegebiet aus oder suchen Auftritte in St. Gallen.
«BrefSunAjax», gegründet im Jahre 2008, machen sehr tanzbare Popmusik. Die Klänge sind angenehm und trotzdem voller Energie. Ergänzt wird dies durch den virtuosen Gesang, der oft bis in die höchsten Lagen der Kopfstimme steigt. Die Songs sind allesamt Eigenkompositionen. Auf der Bühne tragen die Jungs gerne ausgefallene Kostüme. «Wie eine moderne Form der Glam-Rocker von ”Kiss“», sagte einst Johannes Eberhard, Gitarrenlehrer und Musikproduzent aus Widnau, sehr treffend.

«Nehmt euch selbst nicht zu ernst»
«Wir sehen den Mangel an Bands und Auftrittsmöglichkeiten im Rheintal als positiv», widersprechen die Jungs von «Cheap Noise», einer Rockband aus dem Rheintal. «Klar, es ist schwierig, hier mehr als einige wenige Auftritte pro Jahr durchzuführen, dafür bleibt die Freude an der Musik erhalten.» Die Band ist der Ansicht, dass dies nur gut für die Szene sein kann. Neben der modernen, elektronischen Musik bleibe so ein Rockkonzert ein wahrer Genuss. «Diese Konservenmusik von heute ist einfach nicht dasselbe und die Besucher der Konzerte erkennen das.»
Die Band mit dem leicht selbstironischen Namen «Cheap Noise» (zu Deutsch: billiger Lärm) macht seit vier Jahren Musik im Stile von Bands wie «Nirvana». Auch sie spielt ausschliesslich Eigenkompositionen. Die Mitglieder geben offen zu, dass sie keine besonders versierten Instrumentalisten sind. «Das brauchen wir aber auch nicht», sagt Kenshj Savary, Bassist, aus Oberriet voller Überzeugung. Die Musik sei sehr simpel, finde aber dadurch auch mehr Anklang. «Falsch wäre es zu behaupten, es sei einfacher, solche Musik zu spielen. Genauso könnte man sagen, Kinderbücher seien einfacher zu schreiben als Literatur für Erwachsene», fügt sein Bandkollege an. Die Songs sind oft melancholisch, an anderer Stelle wieder aufgedreht. Ruhige Strophen stehen im Wechselspiel mit lauten, rotzigen Refrains. «Es soll einfach um den Spass an der Musik gehen. Wer sich hier in der Region als Band zu ernst nimmt, hat schon ver­loren.»
Wer «Cheap Noise» live erleben möchte, hat die Möglichkeit am Samstag, 16. Oktober, am «Madness Nation» in Rüthi. Dort werden die Jungs unter anderem mit der Hip-Hop-Band «Breitbild» die Halle zum Kochen bringen.

Die «jungen Wilden»
Doch auch im Rheintal gibt es Musiker, die sich einen Namen gemacht haben. Beispielsweise die Punkrocker von «Nofnog» aus Oberriet, die mittlerweile den Sprung ins nahe Ausland geschafft haben. Ebenfalls zu erwähnen wäre die Hip-Hop-Combo von «Suoni Brillanti», die auch weit ausserhalb des Kantons bekannt sind.
Doch leider fehlt bei vielen Jugendlichen die Motivation, Musik zu machen. Und wenn sich doch eine Gruppe zusammenschliesst, schwindet das Interesse meist wegen des Mangels an Auftrittsmöglichkeiten. «Was dem Rheintal fehlt, sind die ”jungen Wilden“, die trotz der schlechten Situation den Mut haben, Musik zu machen», sagt Alex Frei und überlegt kurz. «Früher war dies nicht so», fügt er an. Der Grund dafür liege wohl im Wiederaufkommen der DJ-Szene. «Es ist viel ein­facher, Knöpfe zu drücken als bei-spielsweise Gitarre zu spielen. Warum sollte man dann noch echte Musik machen?», ergänzt Savary nicht ohne sarkastischen Unterton. Wenigstens hätten sie ihre kleine, dafür treue Fanbasis, welche unermüdlich jedes Konzert besuche. Schon für diese kleine Szene lohne es sich, Musik zu machen. Eine Besserung der Situation ist für keinen der Musiker in Sicht und so wird die Szene wohl immer eine kleine, charmante Untergrundbe­wegung bleiben – nicht mehr und nicht weniger.

«BrefSunAjax»
Musikstil: Indie-Pop, Eigenkompositionen
Gründungsjahr: 2008
Gesang: «Äxl»
Gitarre: «Chrigi»
2. Gitarre: «Pädi»
Bass: «Polo»; Schlagzeug: «Phil»
Hörprobe: www.myspace.com/brefsunajax

«Cheap Noise»
Musikstil: Alternative-Rock, Eigen­kompositionen
Gründungsjahr: 2006
Gesang/Gitarre: Neil Werndli
Gesang/Bass: Kenshj Savary
2. Gitarre: Lucas Giger
Schlagzeug: Stefan Morf
Hörprobe: www.myspace.com/cheapnoisemusic

druckenzum Seitenanfangzurück

Aktuelle Nachrichten

08. September 2010 19:08 Uhr
Wulff und Leuthard wollen Beziehung pflegen 
08. September 2010 15:46 Uhr
SBB: Graufahrer zahlen weniger Strafe 
08. September 2010 14:01 Uhr
BP räumt Fehler vor Plattform-Explosion ein 
07. September 2010 18:54 Uhr
Franzosen protestieren gegen Rentenreform 
07. September 2010 13:21 Uhr
Strom wird 2011 teurer 
07. September 2010 07:07 Uhr
Leser laufen grossen Tageszeitungen davon