Der Weg über die Medien soll nun ans Ziel führen

Donnerstag, 02. September 2010
René Jann

Brigitt Baumgartner (links) und ihr Rechtsanwalt Werner Ritter fragten sich gestern, warum die ­ehemalige Kriessner Schulleiterin noch immer nicht rehabilitiert ist und endlich ein Arbeitszeugnis erhält. (Foto: j)
Widnau/Kriessern. – Einen recht ungewohnten Weg beschreitet Brigitt Baumgartner, nämlich den Weg über die Medien, um zu ihrem Recht zu kommen. Dabei betont sie an der gestrigen Medienkonferenz im Büro des Rechtsanwalts Werner Ritter in Widnau, dass sie diesen Weg wohl gehen muss, um zu ihrem Recht zu kommen. So sieht sie sich klar dazu genötigt, weil sie keinen anderen Weg mehr sieht. Werner Ritter ergänzt dann auch, dass er das Prozessieren als falschen Weg sehe, denn ein solcher könnte zwei bis drei Jahre dauern. Seine Mandantin aber wolle wieder zurück an die Arbeit – in den Schuldienst.
Zurzeit ist Brigitt Baumgartner arbeitslos. Sie hatte zwischenzeitlich einzig in Lutzenberg eine befristete Teilzeitanstellung erhalten. Zusätzlich zeichnet sie als Geschäftsstellenleiterin für die Elternbildung Rheintal verantwortlich. Dieses Amt ist aber nicht mit einer Anstellung geschweige denn mit einer fixen Bezahlung verbunden.

Den Ruf wieder herstellen
Werner Ritter ist es indessen ein Bedürfnis, dass der Ruf seiner Mandantin wieder hergestellt wird. Am 29. Januar 2009 wurde sie durch den  Präsidenten der neu fusionierten Schulgemeinde Eichenwies-Kriessern-Montlingen-Oberriet, Romeo Gächter, freigestellt, obwohl dafür jegliche rechtliche Grundlage gefehlt hatte, wie Brigitt Baumgartner und Werner Ritter gestern beteuerten. Dieser Handlung waren damals Differenzen mit einer Kindergärtnerin vorausgegangen, und die Mobbing-Aktion gegen die Schulleiterin habe begonnen, die so weit führte, dass zwecks deren Abwahl im Dorf sogar Unterschriften gesammelt wurden. Danach erfolgte dann die Freistellung.
Brigitt Baumgartner, die seit über 30 Jahren als engagierte Lehrerin und Schulleiterin im Dienst der Kinder gestanden war, weiss, dass bei ihrer Freistellung das Team, die Kinder und ein Grossteil deren Eltern hinter ihr standen. Sie ist davon überzeugt, dass die Vorgehensweise unrechtmässig und unglaubwürdig war und so hofft sie umso mehr auf einen fairen Abschluss, ohne einen langwierigen Rechtsstreit vom Zaun brechen zu müssen.
Die Lösung des Falls, der inzwischen schon ganze Bundesordner an Papier füllt, sehen Baumgartner und Ritter in einem fair abgefassten Arbeitszeugnis. Dazu appelliert sie an Schulratspräsident Romeo Gächter, der einem Menschenbetrieb vorsteht und soweit Vorbild sein sollte, dass er auch einen Fehler – er hatte bei der Freistellung sein Amt erst wenige Wochen vorher angetreten – zugeben darf.

Nachteilige Vereinbarung
Werner Ritter zeigte noch einmal den chronologischen Ablauf vom Anstellungsverhältnis seiner Mandantin als Schulleiterin der Primarschule Kriessern auf. In dessen Verlauf habe der Schulrat versucht, im Februar 2009 Brigitt Baumgartner zur Unterzeichnung einer für sie «ausserordentlich nachteiligen» Vereinbarung zu bewegen, was zum Beizug eines Rechtsanwalts geführt habe. Am 17. April 2009 sei eine gegenseitige Vereinbarung zur Auflösung des Dienstverhältnisses unterzeichnet worden. Ein weiterer Gegenstand dieser Vereinbarung sei ein Arbeitszeugnis gewesen, das im gegenseitigen Einvernehmen abzufassen sei. Bis heute, so Werner Ritter, sei es nicht gelungen, sich über ein Arbeitszeugnis und über eine Medieninformation zu einigen, obwohl Brigitt Baumgartner dringend ein Arbeitszeugnis benötige. Ritter ist der Meinung, vorwärtszumachen, statt einen langwierigen Rechtsstreit in Gang zu setzen, der nur einen Haufen Geld kosten werde.
Schulratspräsident Romeo Gächter war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.