Donnerstag 11.März  Rheintalische Volkszeitung  Amtliches Publikationsorgan des Rheintals 
Oberes Rheintal
Montlingen

Früherkennungskonzept als Unterstützung und Chance 

 Suchtverhalten Jugendlicher frühzeitig in den Oberstufen erkennen 

09.02.2010  Henry E. Merkli
Schulleiter Alfons Ammann, OZM Montlingen, Roger John, OZO Oberriet, Ralph Good, Schulhaus Wiesental, Altstätten, und Georg Bucher, Schulhaus Feld, Altstätten, sowie Drobik Camenisch, Suchtberatung Oberes Rheintal, konnten gestern Montag das Früherkennungskonzept, das an den Oberstufen des oberen Rheintals angewandt wird, vorstellen. Ziel des Früherkennungskonzeptes sei, Schüler, die in der Schule Nikotin, Drogen oder Alkohol konsumieren, zur Verantwortung zu ziehen bzw. frühzeitig das Suchtverhalten zu erkennen. Dieses Projekt sei von der Stadt Altstätten aufgegriffen worden.

Suchtverhalten erkennen
Im Zentrum der Betrachtung liege das Suchtverhalten. Das Augenmerk der Früherkennung liege nicht auf den Substanzen Alkohol, Nikotin oder Drogen, sondern auf der Verhaltensebene, führt Camenisch aus. Ziel sei es, Ansätze süchtigen Verhaltens in der Schule zu erkennen, um kompetent darauf zu reagieren. «Eine möglichst frühzeitige, der Situation angemessene Intervention soll eingeleitet werden, um die weitere Entwicklung gesundheitsschädigenden Verhaltens zu verhindern.» Das Interventionsschema legt den Umgang mit den entsprechenden Regelverstössen fest. Dies sei für alle transparent und im Früherkennungs- und Interventionsschema in fünf Stufen eingeteilt, welches für die Schüler/innen entsprechende Konsequenzen haben wird.

Stufe 1 bis 5
Beim ersten Vorfall gilt die Stufe 1: die Ermahnung. Dies sieht ein Gespräch zwischen Schüler und Klassenlehrer vor und die Eltern werden informiert. Beim zweiten Vorfall gilt die Stufe 2: Auseinandersetzung. Der Betroffene soll mittels einer Aufgabe sein eigenes Konsumverhalten überdenken. Zudem wird es ein Gespräch zwischen Klassenlehrer und Eltern geben, sowie eine Information an die Schulleitung. Stufe 3: Elterngespräch mit der Schulleitung – Coaching durch Fachstelle an Klassenlehrer und Schulleitung (falls erwünscht). Die 4. Stufe: Familiengespräch/Fachstelle: Das gemeinsame Gespräch bei der Suchtberatung im Beisein der Schulleitung, Klassenlehrer, Eltern sowie des Betroffenen. Bei der letzten Stufe, der fünften, werden Behörden über einen möglichen Schulausschluss, Time-out oder die Weiterbeschulung entscheiden.

Nur etwa 2 Prozent betroffen
Die Schulleiter machen klar, dass es nicht den Anschein haben soll und darf, dass in den Schulen generell geraucht, Alkohol oder Drogen konsumiert werden – ganz im Gegenteil. «Es ist eine absolute Minderheit von etwa 2 Prozent in den Schulen, die zu diesem Thema negativ auffällt», so Ralph Good. Diese 2 Prozent würden aber mehr Arbeit abverlangen als die unauffälligen 98 Prozent. Alfons Ammann, der von diesem Projekt anfänglich nicht begeistert war, will nun mit diesem Projekt eine «Lanze brechen für die Schüler/innen, die sich korrekt in der Schule verhalten». Zudem wolle man nicht abwarten, bis solch ein Projekt notwendig werde. Es sei auch klar, dass die 2 Prozent nur die Spitze des Eisbergs seien. Der Konsum ausserhalb der Schule sei nicht Sache der Lehrer. Auffallend sei, wenn ein Schüler am Montag – nach seinem strengen Wochenende – mit roten Augen und Ermüdungserscheinungen hinter der Schulbank sitze. Auch bei so einem Vorfall werde das Frühinterventionsschema greifen.

Zusammenarbeit mit Eltern
Den Eltern wird empfohlen, wenn sie Hilfe brauchen oder wünschen, keine falsche Scham zu haben und mit dem/der entsprechenden Klassenlehrer/in Kontakt aufzunehmen, zum Wohl des betroffenen Jugendlichen – oder auch direkt mit der Suchtberatung Oberrheintal das Gespräch zu suchen.

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